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Die Alpenüberquerung – ein Traum für jeden Bergwanderer

Hannibal führte einst zehntausende Soldaten und 37 Elefanten über die Alpen, Goethe durchquerte sie 2000 Jahr später mit der Postkutsche. Der Weg von Nord nach Süd durch das größte Gebirge Europas ist von zahlreichen Legenden gesäumt.

Die Alpen - Ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger

Die Alpen – Ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger

Diese Reise einmal zu Fuß zu unternehmen ist daher für Wanderer aller Fortschrittsgrade gleichermaßen reizvoll.

Mittlerweile sind die Alpen zur Überquerung außerordentlich gut erschlossen, es gibt eine ganze Reihe attraktiver Wanderwege durch das Gebirge. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten Wege über die Alpen vor, für die man kein Profi-Bergwanderer sein muss.

Der Klassiker: Auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran

Blick von der Skisprungschanze in Oberstdorf auf die Alpen

Blick von der Skisprungschanze in Oberstdorf auf die Alpen

Die wohl meist-bewanderte Route, quasi der Klassiker der modernen Alpenüberquerung, ist die Strecke von Oberstdorf nach Meran, ein Abschnitt des Europäischen Fernwanderwegs E5. Seine Beliebtheit erklärt sich damit, dass die Strecke eine angenehme Länge (6-8 Tage) und genau den richtigen Schwierigkeitsgrad für ambitionierte Hobby-Wanderer bietet.

Die Route beginnt bereits in den (Allgäuer) Alpen: Oberstdorf, die südlichste Gemeinde Deutschlands, ist der Ausgangspunkt und zugleich bereits ein schönes touristisches Ziel für sich. Die einwöchige Wanderung ist landschaftlich extrem abwechslungsreich. Der Weg nach Süden führt den Wanderer zunächst durch die Allgäu-typischen Wiesen voller Blumen. Im Laufe der Woche bekommt man wunderschöne Täler mit Bächen, aber auch beeindruckende felsige Gipfel und tiefe Schluchten entlang der Reiseroute zu sehen.

Am Unteren Mädelejoch bei Höhenmeter 1970 wird die Grenze zu Österreich überquert. Zu den weiteren Highlights der kommenden Tage zählen sicherlich der Simms-Wasserfall, die Ötzi-Fundstelle am Niederjoch, das Tal des Zammer Loches und der Blick auf die zentralalpinen Gletscher während des Aufstiegs zum Pitztaler Jöchl. Mehrmals wird unterwegs an der 3000-Meter-Höhenmarke gekratzt, der höchste Punkt der Route ist die Similaunhütte in 3019 m Höhe. Das Ziel der Wanderung erreicht man schließlich in Meran, der zweitgrößten Stadt Südtirols, wo man in schöner Umgebung noch ein paar Tage ausspannen und sich von der Wanderung erholen kann.

Während dieser Tour der Alpenüberquerung werden 10-20 km und etwa 1000 Höhenmeter pro Tag zurückgelegt. Entlang der Strecke finden sich diverse idyllische Übernachtungsmöglichkeiten, auch mit Verpflegung kann man sich regelmäßig eindecken. Aufgrund der großen Beliebtheit der Strecke empfiehlt es sich jedoch, die Tour außerhalb der Ferienzeiten und am besten unter der Woche zu starten um nicht in einer vollen Hütte zu landen.


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Die brandneue Route: Vom Tegernsee nach Sterzing

Ein relativ neuer Wanderweg, der erst 2014 eingeweiht wurde, ist der vom Tegernsee nach Sterzing. Dieser Weg dauert eine Woche und ist vom Schwierigkeitsgrad mit dem E5 zu vergleichen – er bietet jedoch den erheblichen Vorteil, deutlich weniger überlaufen zu sein. Puristen werden sich jedoch vielleicht daran stören, dass es auf dieser Route vorgesehen ist, Teilstrecken auch mit verschiedenen Verkehrsmitteln wie Bus, Schiff oder Seilbahn zurückzulegen.

Der Achensee im Vordergrund des Alpenpanoramas

Der Achensee im Vordergrund des Alpenpanoramas

Vom Tegernsee geht es zum Achensee, dem Tiroler Fjord, wo es auch Bademöglichkeiten gibt. Weiter geht es durch das schöne Zillertal, wo man beeindruckende Felsen und historische Almdörfer bewundern kann. Nachdem mit einem grandiosen Gletscherblick der Alpenkamm überquert wird, erreicht man auf der finalen Etappe schließlich das Stadtzentrum des Südtiroler Ortes Sterzing, wo man sich an gotischer Architektur erfreut.

Alles in allem eine schöne neue Variante der Alpenüberquerung, die für Hobbywanderer durchaus reizvoll ist.


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Der Traumpfad: Von München nach Venedig

Hütte auf dem Karwendel

Hütte auf dem Karwendel

Die Wanderroute von München nach Venedig wird auch als „Traumpfad“ bezeichnet und diesen Namen trägt der Weg nicht zu Unrecht. Die Strecke wurde von dem Bergwanderer Ludwig Graßler in den 1970er Jahren erstmals beschrieben und zählt heute – ohne ein offiziell ausgewiesener Wanderweg zu sein – zu den beliebtesten langen Wanderstrecken Europas.

Ungefähr einen Monat, (mindestens 28 Tage), muss man einplanen um den Traumpfad zu meistern. In dieser Zeit werden 540 Kilometer und 40.000 Höhenmeter zu Fuß zurückgelegt. Der Weg ist trotzdem nicht nur für Profis, sondern kann von allen konditionell fitten Menschen, die Wandererfahrung haben und sich nicht von der Länge abschrecken lassen, gelaufen werden.

Los geht die Tour am Marienplatz mitten in München, ein Startpunkt in der pulsierenden Metropole, der im Kontrast zu dem liegt, was kommt. Entlang der Isar geht es nach Süden in die Bayerischen Voralpen. Anfang der zweiten Woche werden die Wege steiler und man wird mit atemberaubenden Aussichten auf die Karwendelketten belohnt.

Nach einem Zwischenstopp im schönen Innsbruck um dem zehnten Tag herum geht es durch die Zentralalpen und anschließend die Dolomiten, wo mit dem mächtigen Piz Boe der höchste Gipfel der Tour passiert wird (3.150 m). In den Dolomiten gibt es auch Etappen mit Klettersteigen, für Nicht-Klettererfahrene stehen jedoch auch immer Alternativ-Strecken zur Verfügung.

Welche Variante des Traumpfades man im Detail auch wählt, gemeinsam haben sie eins: Das Gefühl, auf der letzten Etappe nach einem Monat wandern das Meer zu sehen und schließlich den Markusplatz von Venedig, den Endpunkt der Wanderung, zu betreten, wird man sein Leben lang nicht vergessen.


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Für Wanderneulinge: Von der Zugspitze zum Gardasee

Die Bergstation auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg

Die Bergstation auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg

Diese Tour beginnt schon mitten in den Alpen: Der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze, ist der Startpunkt für eine Wanderroute, die sich, ähnlich wie die Wanderroute vom Tegernsee nach Sterzing – gewissermaßen die Rosinen der Alpenüberquerung herauspickt, indem es fast ausschließlich durch reizvolle Landschaften geht – wenn man nicht zu stolz ist, auch mal einen Bustransfer in Anspruch zu nehmen.

Unterwegs bewandert und erlebt man Highlights wie die Fundstelle Ötzis, das Ultental, die Brentner Dolomiten, sowie schließlich der wunderschöne Gardasee, wo man am liebsten noch eine Woche Badeurlaub dranhängt.

Die Reiseroute dauert ca. eine Woche und ist für Wander-Anfänger sowie – möglicherweise in einer einfacheren Variante – auch für Familien mit Kindern geeignet.


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Für Bergprofis: Der Gelbe Weg von Triest nach Oberstdorf

Schneebedeckte Gipfel in den Ötztaler Alpen

Schneebedeckte Gipfel in den Ötztaler Alpen

Dieser Weg sticht aus mehreren Gründen aus der Reihe der hier vorgestellten Alpenüberquerungen heraus. Zum Einen, weil es sich bei dem Gelben Weg um die einzige Süd-Nord-Querung in unserer Liste der Alpen-Reiserouten handelt.

Los geht es an der Adriaküste nahe Triest, das Ziel ist Oberstdorf im Allgäu, der Startpunkt für die E5-Alpenwanderung.

Was den Gelben Weg außerdem von unseren übrigen Reiserouten unterscheidet? Diese Wanderung ist wirklich nur etwas für fortgeschrittene Bergwanderer. Dies machen schon die nackten Zahlen deutlich: 800 km Strecke und 110.000 Höhenmeter müssen hier zurückgelegt werden, das Ganze eingeteilt in 40 Etappen – in der Praxis werden es jedoch sicherlich mehr werden, wenn man vermeiden möchte, 18 Stunden zu laufen, wie es für Tag 10 dieser Wanderung veranschlagt ist.

Konditionell ist der Weg anspruchsvoll, da die Übernachtungsmöglichkeiten weit voneinander entfernt liegen. Auch handelt es sich um eine fast durchgängig alpine Route, was Trittsicherheit und Erfahrung im Gebirge voraussetzt. Wer die entsprechenden Eigenschaften mitbringt, wird jedoch eine wirklich fantastische Wanderung erleben.

Dieser Weg wird selten begangen und bietet dem unerschrockenen Wanderer dadurch das Erlebnis beeindruckender einsamer Bergregionen. In den Dolomiten werden die sagenumwobenen Bergmassive Rosengarten und Marmolata überquert, in den Ötztaler Alpen geht es über ein riesiges Gletschergebiet und auch sonst bleibt es fast durchgängig spektakulär bergig, da der Weg u.a. durch die Karnischen, Lechtaler und Allgäuer Alpen verläuft.


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Beste Reisezeit für eine Alpenüberquerung

In diesem Punkt sind sich (fast) alle einig: Die beste Zeit im Jahr für die Alpenüberquerung ist im Spätsommer, von Juli bis September.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist in dieser Zeit der Schnee auch in hohen Lagen geschmolzen, Wetter und Temperaturen sind angenehmer und alle Hütten haben geöffnet. Nutzen Sie also die Zeit bis zum Spätsommer mit Planung der Reiseroute und „Training“ für die Wanderung – umso großartiger wird das Erlebnis der Alpenüberquerung!